Uwe Fuhrmann

Die Entstehung der »Sozialen Marktwirtschaft« 1948/49

Eine historische Dispositivanalyse

39,00 €

1. Auflage

Erscheinungstermin: 06-2017 , 360 Seiten , 2 Farbbilder , 29 Bilder (S/W)

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ISBN 978-3-86764-665-9

Verlag: UVK Verlagsgesellschaft mbH

Verfügbarkeit: lieferbar

Die Herausbildung der »Sozialen Marktwirtschaft« wird gemeinhin mit Ludwig Erhard, der Währungsreform 1948 und ordoliberalen Wirtschaftswissenschaftlern in Verbindung gebracht. Doch das ist eine unzutreffende Konstruktion, denn im Juni 1948 sprach noch niemand von »Sozialer Marktwirtschaft«. Im Gegenteil: Als die Deutsche Mark in Westdeutschland eingeführt und gleichzeitig die Wirtschaft reformiert wurde, strebten Erhard und andere eine »freie Marktwirtschaft« an.

Erst nach einem turbulenten Herbst wurde der Kurs der Wirtschafts- und Sozialpolitik geändert. Dazu waren jedoch heftige Unruhen auf den Märkten der Bizone, flächendeckende Proteste und schließlich sogar der bislang letzte deutsche Generalstreik im November 1948 nötig. Zum Jahreswechsel begannen dann die wichtigsten Akteure, insbesondere die CDU, auch eine veränderte Bezeichnung – nämlich »soziale Marktwirtschaft« – zu ihrem Programm zu machen. Vertreter des Ordoliberalismus waren an dieser Episode eher unbeteiligt.

Der Autor belegt diese Entwicklung unter Bezugnahme auf Michel Foucaults Diskursanalyse: Untersucht werden jedoch nicht nur Parlamentsreden und die öffentliche Meinung, sondern auch bislang unbeachtete Sozialproteste und wirtschaftspolitische Kursänderungen. Diese ganz unterschiedlichen Arten politischer Auseinandersetzung können durch die so entstandene Dispositivanalyse auch und gerade in ihren Verschränkungen begriffen werden. Das Ergebnis ist eine Genealogie der »Sozialen Marktwirtschaft«, die alle bisherigen Erzählungen zu ihrer Entstehung als fragwürdig erscheinen lässt.

Über Uwe Fuhrmann

Uwe  Fuhrmann

Dr. Uwe Fuhrmann ist Historiker und wurde mit vorliegender Publikation 2016 an der FU Berlin promoviert.

Pressestimmen

»Dies ist ein materialreiches, gründliches und urteilsfreudiges Buch. Fuhrmann verhehlt seine eigene Position nicht, argumentiert aber stets quellennah. (…) Bekommt die Community zur intellectual history des Neoliberalismus mit, dass hier ein Sozialhistoriker den Ordoliberalismus vom Druck der Straßenproteste her beleuchtet? Es wäre auf jeden Fall zu hoffen.«
H-Soz-u-Kult 2018-2-048, Mischa Suter

»Fuhrmann gebührt das Verdienst, einen überbordenden Geschichtsmythos der westdeutschen Geschichte entzaubert und durch eine historisch-kritische Analyse ersetzt zu haben.«
Siegfried Prokop. Sozialismus, Hamburg 2017, H. 10, S. 66-67

»Die Erläuterung einer neuen und in der deutschen Forschung weitgehend noch nicht rezipierten Methode ist Fuhrmann ebenso gut gelungen wie die Analyse von Diskurs und Ereignisgeschichte. Es ist an der Zeit die Anfänge der Erfolgsgeschichte der Bundesrepublik kritisch zu überarbeiten.«
Gegenblende (gegenblende.dgb.de) 07.09.2017

»Mit einem von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Dissertationsprojekt hat der Historiker Uwe Fuhrmann die Entstehungsgeschichte der sozialen Marktwirtschaft neu geschrieben.«
Magazin Mitbestimmung (ohne Datum)

»Ein beachtliches Buch mit einem hohen Gebrauchswert für aktuelle Debatten«
theorieblog.attac.de, 08.10.2017

»Diese Neuschreibung der Entstehungsgeschichte der Sozialen Marktwirtschaft ist überzeugend und spannend - auch, weil sich ganze Abschnitte des Buches den Arbeiterprotesten der Zeit und dem Generalstreik von 1948 widmen. Der wiederum ist - anders als Erhard - nicht in den Gründungsmythos der Bundesrepublik eingeflossen, dabei hätte es den einen ohne das andere nicht gegeben.«
Neues Deutschland, 15.01.2018

»Gelungen sind auch der abschließende methodische Kommentar und der Epilog, in dem Fuhrmann anknüpfend an seine Ergebnisse über die Stellung der ›Sozialen Marktwirtschaft‹ in der deutschen Geschichte insgesamt reflektiert.
Die Studie zeigt schließlich, wie sich eine historische Dispositivanalyse als Synthese aus sozial- und kulturtheoretischen Aspekten für die Geschichtswissenschaft nutzbar machen lässt. Es ist zu hoffen, dass Fuhrmanns Ergebnisse auch in einer breiteren Öffentlichkeit zur Kenntnis gelangen und mit Blick auf Thema und Ansatz weitere geschichtswissenschaftliche Forschungen anregen.«
sehepunkte.de, 15.02.2018